Seit dem 16. Juli stehen beim neuen Streaminganbieter Joyn endlich alle 10 Episoden der 3. Staffel von „Jerks“ zum Abruf bereit. Ob die Buddy-Serie mit Christian Ulmen und Fahri Yardim auch weiterhin für großes Gelächter sorgen kann, verrät dir unsere Kritik.

Achtung
Die nachfolgende Kritik beinhaltet einige massive Spoiler zur 3. Staffel von „Jerks“. Wer die Staffel bisher noch nicht vollständig gesehen hat, sollte hier eventuell nicht weiterlesen und später zurückkommen. 

Warum „Jerks“ Gefahr läuft, seine Zuschauer im eigentlichen Sinne zu veralbern 

Die zweite Staffel von „Jerks“ endete mit einem verrückten Cliffhanger. Christian Ulmen bekam Besuch von der Polizei und wurde kurz darauf auch gleich von den Beamten verhaftet. Nach langer Wartezeit auf die 3. Staffel wurde dieses Szenario nun endlich aufgelöst, wenn auch auf eine denkbar unbefriedigende Art und Weise. Die Verhaftung war nur ein Prank mit versteckter Kamera, der für die neue Sketch-Show von Klaas Heufer-Umlauf gedreht wurde. Eine nette Idee ist das zwar allemal, dennoch muss „Jerks“ darauf achten, dass sich der Zuschauer durch angekündigte „Schockmomente“ wie diesen nicht veralbert fühlt – denn auch eine Comedyserie sollte es sich zur Aufgabe setzen, seine Zuschauer ehrlich zu behandeln und nicht an der Nase herumzuführen, nur damit diese auch bei der nächsten Staffel wieder einschalten. 

Einen ähnlichen Moment gibt es in der 3. Staffel, als Christians Kinder beim Baden plötzlich in einen Strudel geraten und sich aus diesem nicht mit eigenen Kräften befreien können. Im Anschluss steht abermals die Polizei vor der Haustür, um sowohl Christian und seiner Freundin Emily, als auch dem Zuschauer eine schockierende Nachricht zu überbringen, die sich bereits wenige Sekunden später als deutlich weniger schockierend entpuppt. Im Gegensatz zur Verhaftungsszene, die lediglich die Aufgabe hatte, den Zuschauer neugierig auf die Fortsetzung zu machen, beinhaltet dieses Szenario jedoch eine beeindruckend erzählerische Stärke, die man einer Serie wie“ Jerks“ eigentlich gar nicht zugetraut hätte. Und dies ist bei Weitem nicht der einzige Moment in der 3. Staffel, in dem traurige Ereignisse Teil der Handlung sind. So verliert Fahri beispielsweise seinen geliebten Vater und Christians Seitensprung Jasna erkrankt an Krebs. 

Dass „Jerks“ trotz so erschütternden Ereignissen wie diesen immer noch eine Comedyserie bleiben kann, ist vor allem der schier grenzenlosen Fantasie der Drehbuchautoren zu verdenken. Im Falle von Fahris Vater lässt sich Christian vor dessen Ableben beispielsweise noch ganz spontan auf eine Geldwette mit den Köchen des Pflegeheims ein, die darauf setzen, welcher Patient des Heims wohl als erster das Zeitliche segnet – die Quoten für „diesen alten Yardim“ stünden besonders gut. Und im Fall der Krebserkrankung von Jasna, von der Christian schon vor Jasna selbst durch einen versehentlich geöffneten Brief erfahren hat, geistert in Christians Kopf nur eine einzige Frage herum. Soll ich ihr erst sagen, dass sie Krebs hat und dann mit ihr Schluss machen, oder erst mit ihr Schluss machen und ihr dann sagen, dass sie Krebs hat?

Liebhaber von Fremdschäm-Humor kommen in Staffel 3 erneut auf ihre Kosten 

JS Redaktion

Selbstverständlich gibt es auch in der 3. Staffel wieder jede Menge unterhaltsame Fremdschäm-Momente, bei denen man als Zuschauer gar nicht hinsehen möchte, sich zeitgleich aber einfach nicht abwenden kann, da die Ereignisse auf dem Bildschirm einfach zu bescheuert sind. Da wäre beispielsweise der nette Ausländer, der Christian dabei helfen möchte, sein stehengebliebenes Auto wieder zum Laufen zu bringen. Spontan stellt der sein Fahrrad zur Seite und bietet Christian an, am Steuer seines Wagens Platz zu nehmen, während dieser den Wagen von hinten anschiebt. Christian hat bei der Aktion ein ungutes Gefühl, da er große Vorbehalte gegenüber dem Ausländer hat, der vermutlich nur seinen Wagen klauen möchte, lässt den Fremden dann aber doch ans Steuer. Der Wagen fährt wieder und der freundliche Mann verschwindet in ihm um die nächste Ecke. Ulmen ist derartig sauer, dass er kurzerhand das Fahrrad des Mannes kaputt tritt. Als dieser dann aber kurze Zeit später wieder mit seinem Wagen auftaucht, da er nur kurz drehen wollte, bedankt sich Christian schnell und drückt aufs Gaspedal – während er im Rückspiegel verschämt den hilfsbereiten Fremden beobachtet, der vor den Trümmern seines Fahrrads steht. Verrückte Szenen wie diese gibt es auch in den neuen Episoden zur Genüge, sodass sich der Zuschauer keinerlei Gedanken darüber machen muss, dass sich „Jerks“ plötzlich zu einer Serie mit Tiefgang entwickelt.

Ärgerlich ist allerdings, dass die 3. Staffel nicht allzu sehr auf die in der 2. Staffel ins Leben gerufenen Handlungsstränge eingeht.

So verkommt beispielsweise Fahris unehelicher Sohn aus einer früheren Beziehung mit der 90er Jahre-Sängern Blümchen alias Jasmin Wagner zu einer Randfigur, die nur dann mal wieder herausgekramt wird, wenn sie auf Kosten eines Gags verheizt werden kann – und auch die Tatsachen, dass Fahris Freundin Pheline ihm den Seitensprung nach anfänglicher Wut relativ schnell verzeiht und Fahri sich ausgerechnet nach Christians platzierter Wette auf den Tod seines Vaters wieder mit seinem Best Buddy versöhnt, wirken selbst für Jerks-Verhältnisse ein wenig unrealistisch. 

Viele Handlungen sind mittlerweile vorhersehbar wie Geschenke an Heiligabend 

Doch „Jerks“ hat mittlerweile ein ganz anderes Problem. Vorhersehbarkeit. Wer als waschechter Fan der Serie von Anfang an dabei ist, muss in manchen Szenen mittlerweile nur eins und eins zusammenzählen, um sich den späteren Verlauf der Episode selbst auszumalen.

Wenn Christian kurz vor der Fahrt ins Zeltlager beispielsweise von einer Mutter darüber in Kenntnis gesetzt wird, dass ihre Tochter bei einem eventuell auftretenden epileptischen Anfall ein Zäpfchen benötigt, kann man sich bereits sicher sein, dass der schusselige Ulmen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einem anderen Kind der Gruppe die ungeliebte Medizin verabreicht. Und wenn Fahri während der Fahrt auf einem Ausflugsschiff ein kleiner Junge auffällt, der seltsame Bilder malt („Leute! Der kleine Junge da malt Brüste und die Scheide von seiner Mudda“), kann man sich bereits denken, dass das Kind nicht ganz zufällig mit an Bord ist, sondern im weiteren Verlauf der Episode noch von Bedeutung für die Handlung sein wird. Vielleicht ist genau diese Vorhersehbarkeit aber auch von den Machern der Serie gewollt – schließlich freut man sich trotz dieses kleinen Mankos bereits auf die spätere Auflösung, wenn wahlweise Christian oder Fahri mal wieder in jedes noch so kleine Fettnäpfchen treten.

Ein Staffelfinale, das diese Bezeichnung nicht verdient hat 

Alles in allem ist die 3. Staffel „Jerks“ ein bisschen tiefgründiger, als die beiden vorherigen Seasons, allerdings gelingt den Machern der Sprung zwischen unterhaltsamem Fremdschäm-Humor und traurigeren Momenten überraschend gut. Wirklich enttäuschend ist in dieser Staffel einzig und allein das Staffelfinale mit dem schlichten Namen „Rausch“, bei dem den Drehbuchschreibern offenbar die verrückten Ideen ausgegangen sind. Auf einer Party mit mehreren Gästen, unter denen auch der Schauspieler Ralph Herforth ist, kommt dieser auf die verrückte Idee, einfach mal einen Swinger-Abend zu veranstalten, bei den alle Paare untereinander ihre Partner für eine flotte Nummer austauschen. Tatsächlich ist das eigentlich schon die gesamte Handlung der Episode, denn viel mehr passiert hier nicht. Hätte man diese Episode irgendwo in der Mitte der Staffel „versteckt“, wäre vermutlich kaum jemandem aufgefallen, wie schlecht das Drehbuch hier eigentlich ist – bei einem Staffelfinale, das bei so ziemlich jeder Serie immer mit einem echten Knall endet, leider umso mehr. Somit bleibt diese Episode von „Jerks“ nicht nur als schlechtestes Staffelfinale aller Zeiten, sondern auch als bisher schlechteste Episode der ganzen Serie in Erinnerung.

Aber Hey – Immerhin wurde Christian nicht wieder verhaftet.

Die 3. Staffel von „Jerks“ ist ab sofort vollständig und exklusiv beim Streaminganbieter Joyn verfügbar.

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